Pfarrkirche braucht neue Glocken

Glockengruppe sammelt Geld, um alte Eisenhartgussglocken durch Bronzeglocken zu ersetzen

Vor einer Jahrhundertaufgabe steht der Kirchort Seulingen. Bereits 2012 hat der Glockensachverständige Andreas Philipp im Rahmen einer Glockeninventarisation und -inspektion festgestellt, dass „die 1951 gegossenen drei Eisenhartgussglocken einen hohen Kohlenstoffanteil haben und durch innere Korrosion unrettbar verloren gehen. Nach rund 80 Jahren zerspringen solche Glocken und können dann auch nicht mehr restauriert werden. Gegen den Verfall schützt kein Anstrich dauerhaft. Außerdem wirken sie materialbedingt spröde und kurzatmig. Da sich der Untergang der Glocken grundsätzlich nicht abwenden lässt, können sie nicht endgültig als Geläute in der Pfarrkirche bleiben.“ Herr Philipp warnt, dass „mit tief gekröpften Jochen die Gefahr von Torsionsbrüchen und sogar Glockenabstürzen einhergeht. Auch werden die Aufhängebolzen durch Torsion unzulässig belastet und sind bruchgefährdet. Erst vor wenigen Jahren ist aus diesem Grund eine große Glocke der Kreuzkirche zu Berlin-Schmargendorf abgestürzt.“

 

 

 

Damit es soweit gar nicht erst kommt und Seulingen eines Tages ohne Glockengeläut dasteht, hat bereits der alte Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer vor der Fusion 2014 mit Mariä Verkündigung den mittelfristigen Ersatz der Eisenhartgussglocken durch Bronzeglocken beschlossen und mit der Planung begonnen. Auch konnten schon erste Spenden für diesen Zweck zurückgelegt werden. So hat beispielsweise der Männergesangverein von 1880 Seulingen einen Teil seiner Einnahmen vom Weihnachtskonzert 2014 der Kirche für die Anschaffung den neuen Glocken gespendet. In Kooperation mit dem Fundraisingbüro Hildesheim wurde im Juli dieses Jahres eine Spendenaktion gestartet und viele Seulinger Haushalte mit der Bitte um eine zweckgebundene Spende für die Glockenerneuerung angeschrieben. Mittlerweile konnten schon viele kleine, große und sogar ganz große Spenden auf dem Glockenkonto verbucht werden. Allen Spendern an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön!

Auf Initiative von Siegbert Jagemann haben sich Im Sommer rund 10 Seulinger in ein einer Glockengruppe zusammengefunden, um das Vorhaben weiter voran zu bringen. Es werden Ideen gesammelt, wie die Finanzierung bewerkstelligt werden kann und Erfahrungen aus anderen Gemeinden eingeholt. Viele gute Ratschläge konnte die Gruppe von Günter Reimann mitnehmen, der maßgeblich an der Finanzierung der Glocken von St. Cyriakus in Duderstadt beteiligt war. Weitere Erfahrungen und Tipps bekam die Gruppe von Pfarrer Haase in Geisleden, der schon für mehrere Kirchen seiner Pfarrgemeinde neue Glocken finanziert hat, zuletzt in Flinsberg, einem ländlichen Stadtteil von Heiligenstadt.

Die Entscheidung zur Glockenerneuerung wird selbstverständlich auch vom neuen Kirchenvorstand unterstützt. Es soll demnächst ein Ausschuss gebildet werden, der aus einigen Mitgliedern des Kirchenvorstands, aber auch aus engagierten und interessierten Seulinger Katholiken besteht, die nicht dem Kirchenvorstand angehören, dafür aber in der Glockengruppe mitarbeiten. Dieser Ausschuss soll sich um die weitere Finanzierung, Planung und Ausführung der Baumaßnahmen kümmern.

Da eine solche Maßnahme weder mit normalen Haushaltsmitteln finanziert werden kann – schließlich hat die Pfarrgemeinde weitere Kirchen, Pfarrhäuser und -heime zu unterhalten sowie pastorale Aufgaben zu erledigen – noch mit einer größeren Bezuschussung durch das Bistum Hildesheim zu rechnen ist, hofft die Glockengruppe um die Kirchenvorstände Siegbert Jagemann, Godehard Kopp und Ansgar Tauchmann auf weitere großherzige Spende aus der Pfarrgemeinde. Es sollen auch Stiftungen und regional ansässige Firmen angesprochen werden. Für Mitte März wird gerade eine große Informationsveranstaltung geplant. Außerdem soll im Oktober 2016 ein großes Kirchweihfest gefeiert werden, bei dem die Kirche samt Glockenturm und Krypta besichtigt werden kann.

Mit einem Augenzwinkern weist Siegbert Jagemann darauf hin, dass auch die Möglichkeit bestehe, dass einzelne oder Stifterfamilien eine ganze Glocke spenden (die kleine Glocke kostet ca. 18.000 €) und bei der Gestaltung dieser Glocke mitwirken. Des Weiteren ist angedacht, dass im Glockenstuhl eine Spendertafel aufgestellt wird. Details hierzu müssen allerdings noch festgelegt werden.

Wenn die Glockenfinanzierung steht, können im Idealfall schon 2018 die neuen Glocken eingebaut werden. Für die Gemeinde besteht sehr wahrscheinlich die Möglichkeit am Glockenguss, der traditionell an einem Freitag in der Todesstunde Jesu um 15.00 Uhr stattfindet, teilzunehmen. Wer so etwas schon einmal miterlebt hat, spricht von einem beeindruckenden Erlebnis, insbesondere wenn die Glocken für die eigene Pfarrgemeinde gegossen werden.

Die älteren unter uns können sich sicherlich noch an das Entsetzen und die Trauer erinnern, als zwei Glocken vom alten Geläut von den Nationalsozialisten zu „Kriegszwecken“ eingezogen wurden, aber auch an die Begeisterung und die Volksfeststimmung, als 1951 die Eisenhartgussglocken auf einem festlich geschmückten Wagen nach Seulingen gebracht und mit großem Jubel empfangen wurden. Nach 9 Jahren war das Geläut endlich wieder vollständig und konnte die Gläubigen zum Gottesdienst rufen. Mit den neuen Bronzeglocken können wir dieses nun, wenn keine unvorhersehbare Umstände eintreten, auf Jahrhunderte hin sicherstellen.

Spenden sind weiterhin möglich. Es können die Überweisungsträger vom Spendenbrief verwendet werden. Wer diesen nicht mehr hat oder keinen Spendenbrief erhalten hat, kann folgende Bankverbindung für eine Spende verwenden:
IBAN: DE79 2606 1291 0040 5167 03
BIC: GENODEF1DUD

Wer gute Ideen für die Finanzierung hat, ist herzlich eingeladen in der Glockengruppe mitzuarbeiten. Kontakt über Ansgar Tauchmann (Tel. 05507-2328), Siegbert Jagemann (Tel. 05507-2383) oder Godehard Kopp (Tel. 05507-1824).